Die Krise ist nicht vorbei

Die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise erschüttern die Welt. Längst haben sie die Welt der Finanzmärkte verlassen und sind in der Lebens- und Arbeitswelt von Männern, Frauen und Kindern angekommen.
Während die Banker der größten Finanzinstitute schon wieder Rekord-Boni kassieren, steigt die Zahl der hungernden Menschen auf der Welt dramatisch an. Auch in Deutschland wächst die Armut. Sozialkassen und Kommunalhaushalte geraten immer tiefer ins Defizit. Die Folgen tragen wir alle, vor allem aber die Armen. Die Chance der Krise, nämlich ihre strukturellen Ursachen zu erkennen und zu verändern, verstreicht ungenutzt. Im Gegenteil: Genutzt wird die Krise zur Fortsetzung der bisherigen Politik des freien Marktes - entgegen aller Erfahrung und Vernunft. Die Kirchlich-Gewerkschaftliche Initiative Bayern ruft deshalb zur Umkehr auf.

Die Krise ist nicht vom Himmel gefallen

Die Krise ist das Ergebnis der neoliberalen Wirtschaftstheorie, die auch in unserem Land großen Einfluss auf die Politik gewonnen hat. Im Kern dieser Wirtschaftsphilosophie steht die Auffassung, dass nichts effizienter sei als der Markt. Er allein führe zum Wohlstand für alle. Eingriffe des Staates seien zu unterlassen. Manche haben das fast wie eine Heilsbotschaft vertreten. In diesem Glauben wurde Politik gestaltet.

Die Deregulierung der Finanzmärkte, völlige Freizügigkeit für globale Waren- und Geldströme, steuerliche Entlastung von Unternehmen und Vermögenden sowie die Ausweitung schlecht entlohnter, befristeter und unsicherer Arbeitsverhältnisse sind Ausdruck des neoliberalen Konzepts. Die Wirtschaftsund Finanzkrise hat überdeutlich gezeigt: Dieses Konzept ist grandios gescheitert. Der Markt braucht Regeln. Die Menschen müssen wieder in den Mittelpunkt politischen Handelns gerückt werden. Das sind wichtige Erkenntnisse aus der Krise.

 

„Die Wirtschaft ist um des Menschen willen da, sie ist kein Selbstzweck. Wo das Geld zum Mittelpunkt wird, wird das Wirtschaften unmenschlich.“
(Wie ein Riss in einer hohen Mauer ... - Wort der EKD zur Wirtschaftskrise, Juli 2009)

Mit gemeinsamen Werten aus der Krise

Die neoliberale Glaubenslehre hat nicht nur Volkswirtschaften ruiniert, sondern auch die Grundwerte bis zur Unkenntlichkeit entstellt: Freiheit verkommt zur vermeintlichen Freiheit, Geld zu horten; Leistung misst man am Bankkonto, Gerechtigkeit ist nur noch das Ergebnis der Marktprozesse; und Solidarität verkehrt sich zur Interessenwahrung der Besitzenden. Deshalb fordern wir als Christinnen, Christen, Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter einen Prozess des Umdenkens und der Rückbesinnung auf die Werte der christlichen Soziallehre und der Arbeiterbewegung. Wir folgen dem gemeinsamen Leitprinzip der Gerechtigkeit und Solidarität. Gerechte und solidarische Lebensverhältnisse gibt es erst dann, wenn dem Schwächsten die gleiche Würde zuerkannt wird wie dem Stärksten. Politik muss sich an dem ausrichten, „was die Schwachen betrifft, ihnen nützt und sie zu eigenverantwortlichem Handeln befähigt“ (Gemeinsames Wort der Kirchen von 1997). Freiheit ist nur möglich auf einem Fundament gleicher Lebenschancen und gerechter Verteilung der Güter. Und nur, was ökologisch und sozial nachhaltig ist, hat Zukunft. Deshalb kann die Lehre aus der Krise nur lauten: Gemeinwohl vor Eigennutz, Arbeit vor Kapital, Nachhaltigkeit vor Raubbau.

„Die Wirtschaft hat menschlichen Bedürfnissen und gesellschaftlichen Zielen zu dienen. Vollbeschäftigung, Verteilungsgerechtigkeit und mehr Lebensqualität sind für die Gewerkschaften die wichtigsten Ziele ökonomischen Handelns. Sie sind untrennbar verbunden mit einer weltweiten nachhaltigen Entwicklung, die qualitatives Wachstum und eine sozial gerechtere Weltwirtschaftsordnung umfaßt.“
(DGB Grundsatzprogramm)

Erstunterzeichner/innen

 

Prof. em. Friedhelm Hengsbach SJ, Prof. Dr. Franz Segbers (Sozialethiker, Universität Marburg), Prof. Ulrich Duchrow (Heidelberg), Luise Klemens (Landesbezirksleiterin ver.di Bayern), Dominik Schirmer (Landesfachbereichsleiter ver.di Bayern), Dr. Roland Batz (Sozialpfarrer, Bistum Regensburg), Michael Bammessel (Ev. Stadtdekan Nürnberg, Mitgl. d. Landessynode u. Landessynodalausschuss d. ELKB), Hubertus Förster (Kath. Stadt- und Regionaldekan, Nürnberg), Roland Huth (geschäftsf. Dekan Nürnberg-Nord), Jörg Sichelstiel (Ev. Dekan, Fürth), Georg Dittrich (Kath. Dekan, Fürth), Peter Huschke (Ev. Dekan, Erlangen), Josef Dobeneck (Kath. Dekan, Erlangen), Richard Wittmann (Betriebsseelsorgereferent Bistum Regensburg), Christina Flauder (Mitgl. d. Landessynode und Landessynodalausschuss d. ELKB), Karl-Georg Haubelt (Mitgl. der Landessynode d. ELKB u. IG BAU), Bernhard Dausend (afa-Landesvorsitzender), Sonja Wittmann (Pfrin., Dekanatsbeauftragte kda, Postbauer-Heng), Martin Kleineidamm (Pfr., Sprecher Arbeitskreis Evang. Erneuerung), Peter Hartlaub (KAB-Diözesanpräses Würzburg, Sprecher Bundeskom. Betriebsseelsorge), Norbert Jungkunz (Pastoralreferent, Betriebsseelsorge Bamberg), Hannes Kreller (Geschäftsführer ACA Bayern), Charles Borg-Manche (KAB-Landespräses Bayern), Bärbel Kalb (Sprecherin AG MAVen in Kirche u. Diakonie, ver.di FB Kirchen), Johannes Neugebauer (Pfr. Diakonie Hochfranken, Hof), Gunther Barth (Pfr. z.A., Buxheim), Erwin Helmer (KAB Diözesanpräses Augsburg, Sprecher Kath. Betriebsseelsorge Bay.), Albert Müller (Pfr. u. Dekan, KAB-Diözesanpräses Bamberg), Andreas Schlechtweg (Pfr., Dekanatsbeauftragter kda, Hallstadt), Anne Salzbrenner (Pfrin., Dekanatsbeauftragte kda, Lichtenfels), Werner Enser (Vorstand AG MAV Bayern, ver.di)

 

 

Aktuelles _ 22.12.2011

 

22.12.2011

Sie sind auf der Suche nach guten Vorsätzen für das neue Jahr?

Dann empfehlen wir Ihnen einen sehr lesenswerten Beitrag von  Roland Rottenfußer (Die Verantwortungslüge).

15.12.2011

EKD-Ratsvorsitzender: Kirche und Gewerkschaften teilen gemeinsame Werte

Beitrag von Nikolaus Schneider (6 Seiten, PDF-Datei, ~40 KB) zum Dialog mit dem Bundesvorsitzenden des DGB Michael Sommer auf der Tagung "Gewerkschaften und Kirche. Akteure im gesellschaftlichen Wandel", Bad Herrenalb, 26.11.2011

 

Dazu bei evangelisch.de:  Kirche und Gewerkschaften - eine Liebeserklärung

Werte-Werkstatt: Zusammenfassung der Ergebnisse

Der Mensch und seine Würde müssen im Mittelpunkt stehen - Foto: Feulner

 

Die KGI hat am 26. März 2011 in Nürnberg eine Werte-Werkstatt durchgeführt. wertewandel-jetzt  ist unbedingt erforderlich, da der Konsens über die politisch-sozialen Grundwerte, die für Deutschland in den Grundrechten der Verfassung verbindlich niedergelegt sind, sehr „brüchig“ geworden ist!

 

Die KGI fragt nach verschiedenen Aspekten von Werten und fordert die Einhaltung von sieben bewahrenden Grundwerten. [Mehr ...]

Unterschriftenaktion läuft

Seit Ende April 2010 hat die KGI nun 1.000 Unterstützer/innen für ihren Aufruf gewinnen können. Das ist ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann. Das war der Anfang. Wir würden uns freuen, wenn wir diesen Erfolg noch weiter ausbauen könnten. Deshalb bitten wir Sie, Freunde, Bekannte, Kolleginnen und Kollegen auf  www.wertewandel-jetzt.de aufmerksam zu machen. Vielen Dank!

 

Reaktionen auf die Gründung der KGI hier.

Liste der Unterzeichner/-innen

1079.Paul Schock Student (Evang. Theologie)
1078.Edgar Dr. Büttner Personalberater, Coach KAB
1077.Horst Bialluch Rentner IG Metall
1076.Gottfried Bauer Ingenieur
1075.Nina Schneider
1074.Gulotta Gaspare Nürnberg
1073.Elke Denzler Verwaltungsangestellte Nürnberg
1072.Günter Saalfrank Dekan ELKB
1071.Gudrun Saalfrank Pfarrerin Hof
1070.Tanja Scharrer Hof
1069.Günther Gruchala Initiative linker SozialdemokratenInnen in der SPD SPD
1068.Manfred Martin Drescher Medienarbeit und Werbung Diakonie Landshut
1067.Christian Dorn Pastoralreferent Betriebsseelsorge Allgäu
1066.Thomas Guba Pfarrer
1065.Johannes Auernheimer Stadtrat SPD Lauf a.d. Pegnitz SPD
1064.Jürgen Bauer Bezirksvorstand FB 8 Mittelfranken ver.di
1063.Paul Stumpf IT-Berater
1062.Horst Bialluch Rentner IG Metall
1061.Brigitte Dittrich Stadträtin Die Grünen Fürth
1060.Uwe Kekeritz MdB Die Grünen
1059.Günter W Lehrer a.D. GEW
1058.Irmi Reutter OV- Vorsitzende SPD
1057.Kurt Reinelt Diakon Betriebsseelsorge
1056.Maria Haller Betriebsrätin Volkmannsreuth
1055.Friederike Scholz Betriebsrätin Forchheim
1054.Edeltraud Mayer-Eismann BR Eggolsheim
1053.Jasmin Ruppert BR Forchheim
1052.Tanja Büttner BR Bamberg
1051.Heike Matthes BR Rothershofen
1050.Marion Götz BR
1049.Toni Kottig BR Abenberg
1048.Renate Flores BR Michelau
1047.Hans-Georg Prehmus BR-Vorsitzender Kulmbach
1046.Viktor Kondratjuk
1045.Gabriele Wenzel BR IGM Lichtenfels
1044.Ulrich Wenzel BRV IGM Michelau
1043.Andreas Hackner BR k+w Lichtenfels
1042.Ute Cogan BR k+w Lichtenfels
1041.Petra Schöpf Kita Caritas Nürnberg
1040.Marion Müller Fachdienst Caritas Nürnberg
1039.Renate Leupold Personalrätin ver.di Forchheim
1038.Jürgen Mellin BR, IT Sachbearbeiter Rednitzhembach
1037.Dieter Laucht BR IGM Höchstadt
1036.Elisabeth Schwendner Personalrätin Bamberg
1035.Wolfgang Hölzlein Betriebsrat Bamberg
1034.Robert Schmitt Betriebsrat Bamberg
1033.Rolf Gnuth Betriebsrat Altenkunstadt
1032.Irmgard Popp
1031.Hans-Jürgen Sitter Bauhofmitarbeiter Rödental
1030.Johann Zeulner Bauhofmitarbeiter Lautertal
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