24.01.2014

KGI zum Aufruf der Kirchen zu den Betriebsratswahlen 2014

Die Kirchlich-Gewerkschaftliche Initiative Bayern begrüsst es sehr, dass die evangelische und die katholische Kirche einen Aufruf zu den Betriebsratswahlen 2014 veröffentlicht haben. Wir schließen uns dem Dank der Bischöfe für den Einsatz von Kolleginnen und Kollegen an, die eine solidarische und gerechte Arbeitswelt als Ziel haben. Wir wissen, dass sie oft mit mehr Kompetenz als kurzfristig agierende FührungskraÅNfte die betrieblichen und menschlichen Anliegen kennen und umzusetzen versuchen.

 

Wir fragen aber auch an, ob in diesem Wort der Kirchen die Herausforderungen für BetriebsrätInnen und Gewerkschafter sachgerecht dargestellt werden. Zwar ist zutreffend beschrieben, dass der Druck zunimmt: „Aber die gute wirtschaftliche Entwicklung hat ihren Preis: Der Druck auf die Beschäftigten nimmt weiter zu. Leistungsverdichtung und Mehrarbeit sind zu ständigen Begleitern der heutigen Erwerbsarbeit geworden.“ Und: „Die künftigen Herausforderungen für die Arbeit der Betriebsräte werden von den Veränderungen der Erwerbsarbeit vorgegeben.“

 

Wir vermissen aber eine kritische Distanz zu den Ursachen dieses steigenden Druckes. Diese Veränderungen sind nicht einfach vorgegeben, sondern von den vergötterten Mechanismen des herrschenden Wirtschaftssystems gewollt, wie es Papst Franziskus in seinem Rundschreiben Evangelii Gaudium (54) nennt. Wir vermissen den Hinweis darauf, dass die hohe Beschäftigungsrate in Deutschland durch die Zunahme prekärer Arbeitsverhältnisse und durch die Sparpolitik in den Ländern Europas mit ihren zerstörerischen Folgen erkauft sind. Die „Opfer“ bringen die unteren Schichten bei uns und vor allem in Südeuropa.

 

Um so wichtiger ist der solidarische Einsatz von BetriebsrätInnen. Ein wirksamer Betriebsrat – auch das vermissen wir in der bischöflichen Erklärung – braucht den Rückhalt einer starken Gewerkschaft.

 

Wir erinnern in diesem Zusammenhang auch daran, dass die Rechte der kirchlichen MitarbeitervertreterInnen hinter dem Betriebsverfassungsrecht zurückbleiben. Wir fordern von den Kirchen, den grundgesetzlich abgesicherten „Dritten Weg“ mit dem frischen Wind aus Rom im Rücken schrittweise zu verlassen.

 

Den Schlussworten des Aufrufes schließen wir uns ausdrücklich an: Wir ermutigen alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sich an den bevorstehenden Betriebsratswahlen zu beteiligen.

 

Dr. Hans-Gerhard Koch, Sozialpfarrer i.R.