03.03.2014

Lippen gespitzt, aber nicht gepfiffen

Stellungnahme zur Initiative des Rates der EKD und der Deutschen Bischofskonferenz für eine erneuerte Wirtschafts- und Sozialodnung: „Gemeinsame Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft“ -  www.sozialinitiative-kirchen.de

 

„Gemeinsame Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft“ und „eine breite gesellschaftliche Debatte für eine erneuerte Wirtschafts- und Sozialordnung“, das wünscht sich auch die Kirchlich-Gewerkschaftliche Initiative Bayern (KGI). Sie ist auf der Grundlage der gemeinsamen Werte von Kirche und Arbeiterbewegung seit Jahren in dieser Richtung engagiert. 


„Eine wirtschaftliche und soziale Erneuerung kann allerdings nur gelingen, wenn sie tief genug ansetzt und wenn sie Ross und Reiter nennt. An dieser Stelle setzen unsere Fragen und unsere Kritik an“, sagt KGI-Sprecher Dr. Hans-Gerhard Koch.

In dem Initiative-Papier der beiden Kirchen wird schon in der Beschreibung des Bestehenden kritiklos akzeptiert was die Meinungsführer in Politik und Wirtschaft vorgeben: „Arbeitsmarktreformen“, „Staatsschulden“, „Demografieproblem“, „Wirtschaftswachstum“, „Soziale Marktwirtschaft“, „Wohlstand“ – das alles wird beschrieben, als habe sich da in den letzten Jahren nicht Wesentliches, und meist nichts zum Guten, verändert. Der Lobpreis der „Sozialen Marktwirtschaft“ tut so, als hätten wir nicht längst einen etwas sozial temperierten Kapitalismus mit laufender Temperatursenkung.

Von der Deutlichkeit, theologischen Tiefe und grundsätzlichen Anfrage, mit der Papst Franziskus die herrschende Wirtschaftsweise kritisiert, ist die Stellungnahme meilenweit entfernt. Die Vorschläge zur Veränderung, soweit sie überhaupt konkret sind, sind alte Bekannte. Die grundlegenden Probleme werden dadurch nicht gelöst. Die Kirchen haben die Lippen gespitzt, aber gepfiffen haben sie nicht.

„Wir haben die Hoffnung, dass im Laufe des geplanten Diskussionsprozesses manches noch klarer und deutlicher wird. Die KGI wird sich daran intensiv beteiligen, sagt Koch, der die Kirchlich-Gewerkschaftliche Initiative Bayern 2010 mitgegründet hat. 

05.03.2014

Ausführlichere Stellungnahme

4 Seiten, PDF-Datei, ~350 KB

05.03.2014

Pressespiegel

Ehemaliger Sozialpfarrer Koch kritisiert Sozialwort der Kirchen

 

NÜRNBERG – Die kirchlich-gewerkschaftliche Initiative Bayern (KGI) hat das neue Sozialwort der beiden großen Kirchen kritisiert. Ihm missfalle darin das "Lobpreis der sozialen Marktwirtschaft", sagte Sprecher Hans-Gerhard Koch dem epd am Dienstag in Nürnberg. "Soziale Marktwirtschaft gibt es doch gar nicht mehr, es gibt nur einen sozial temperierten Kapitalismus."

 

In dem Initiativpapier würde von den Kirchen kritiklos akzeptiert, was die Meinungsführer in Politik und Wirtschaft vorgeben würden, sagte der frühere Sozialpfarrer. Dabei habe sich in den letzten Jahren nichts Wesentliches zum Guten gewendet. Die Vorschläge der Kirchen zu Veränderungen seien "überhaupt nicht konkret". Sie hätten "nur die Lippen gespitzt, aber gepfiffen haben sie nicht", so Koch.

 

Die katholische und evangelische Kirche in Deutschland hatte am vergangenen Freitag ihr Papier "Gemeinsame Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft" vorgelegt. Die ökumenische Sozialinitiative will nach der Finanzmarkt- und Schuldenkrise eine Debatte über die gesellschaftlichen Zukunftsfragen in Gang setzen. Themen sind unter anderem die ethischen Maßstäbe für die Wirtschaft, der Abbau der Staatsverschuldung, ökologische Nachhaltigkeit und der demografische Wandel.

 

Pfarrer Hans-Gerhard Koch war von 1987 an Sozialpfarrer in Bayern und leitete bis zu seinem Ruhestand 2008 den Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt in Bayern (kda). Er hat die KIG und die Initiative "Wertewandel jetzt" mitgegründet.

 

epd v. 5.3.2014