28.09.2012

Wertewandel braucht "Nägel mit Köpfen"

V.l.n.r.: Hans-Gerhard Koch, Jürgen Endres, DGB-Vorsitzender Mattias Jena, Kurt Reinelt, Prälat Lorenz Wolf, Siegfried Ecker, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Thomas Engelhard
Hans-Gerhard Koch (links) erläutert bei der Pressekonferenz im Landeskirchenamt die Anliegen der KGI
Thomas Engelhard (rechts) von der Kirchlich-Gewerkschaftlichen Initiative Bayern wünscht sich bei der Übergabe der "Nägel mit Köpfen" an Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, dass die Kirche mehr Position bezieht

Fotos: Norbert Feulner

MÜNCHEN – Eine Liste mit 1.200 Unterschriften unter die   Gründungserklärung der Kirchlich-Gewerkschaftlichen Initiative Bayern (Die Krise ist nicht vorbei) wurde gestern an Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, an DGB-Vorsitzenden Matthias Jena und an Prälat Lorenz Wolf im Landeskirchenamt der Evang.-Luth. Kirche in Bayern überreicht.

 

Initiator Hans-Gerhard Koch drückte bei der Übergabe der   Unterschriftenliste den Wunsch nach konkreter Zusammenarbeit aus: Eine gemeinsame Kampagne von Kirchen und Gewerkschaften für einen gesetzlichen Mindestlohn im Vorfeld der Bundestagswahl sowie Verhandlungen und einen sinnvollen Kompromiss bei der strittigen Frage über die Zukunft des kirchlichen Arbeitsrechts. Als Aufforderung und Erinnerung zum praktischen Handeln wurden 1.200 eingeschlagene Nägel überreicht, gleichmäßig verteilt auf drei Holzbretter.

 

Entwicklungen entgegentreten

Für Landesbischof Bedford-Strohm ist der Einsatz für Gerechtigkeit und die Schwächsten was Kirchen und Gewerkschaften verbindet. „Deshalb will ich alles tun, Gespräche mit Gewerkschaften und Kirchen zu fördern.“ Besorgt ist er über die Ungleichheit in Deutschland. Bezogen auf den vorläufigen Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung sagte er: „Spätestens jetzt ist der Zeitpunkt, wo sich unsere Gesellschaft Gedanken machen muss, wie sie dieser andauernden Entwicklung etwas entgegensetzt.“ Die Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn wird vom Landesbischof unterstrichen. Wenn Menschen nicht von ihrem Lohn leben können, obwohl sie Vollzeit arbeiten, „dann ist das ein unerträglicher Zustand“, sagte Bedford-Strohm.

Unabhängig von den anstehenden  Gerichtsentscheidungen über das kirchliche Arbeitsrecht sieht der Landesbischof dieses als Selbstverpflichtung: „Die Legitimität des 3. Weges hängt auch daran, dass die Kirche in ihrem eigenen Handeln in der Diakonie mit den Menschen in den Arbeitsverhältnissen so umgeht, dass der 3. Weg nicht zu einer Verschlechterung führt. Die Mitarbeiter müssen mindestens so gut gestellt sein wie außerhalb der Kirche."

 

Was ist systemrelevant?

Der Vorsitzende des DGB Bayern, Matthias Jena, kritisierte die negative Werteverschiebung: „Die Frage, was für unsere Gesellschaft systemrelevant ist, muss neu beleuchtet werden. Deshalb bin ich sehr dankbar, dass die   Kirchlich-Gewerkschaftliche Initiative den Blick auf diese Fragen richtet.“ Unterstützt wurde er vom Leiter des Katholischen Büros Bayern, Prälat Lorenz Wolf: „Werte haben etwas mit Bewertung zu tun.“ Problematisch sei es, wenn gesellschaftsstützende Funktionen wie Kindergarten, Altenpflege, Krankenpflege mit eminent wichtigen Aufgabe fast zu prekären Arbeitsverhältnissen führten. „Das kann so nicht sein. Diese Gesellschaft kann so nicht bestehen, wenn diese Menschen sich selbst in einer Situation wiederfinden, in der sie Hilfe brauchen“, sagte Wolf.

 

Für Jena sind die Unterschriften „Auftrag und Ermutung für den gemeinsamen Einsatz von Kirche und Gewerkschaft“ und im Sinne einer öffentlichen Theologie, wie Bedford-Strohm ergänzte.

 

Medienspiegel

  "Nägel mit Köpfen machen!"

  Bayern initiativ: Christen und Gewerkschafter fordern Wertewandel

 Kirche als Arbeitgeber (Bayern 2 v. 11.11.2012, 26 Min.) In der Sendung wird auch über die Übergabe der Unterschriften berichtet.