„Die ganze Wirtschaft und das ganze Finanzwesen – nicht nur einige ihrer Bereiche - müssen nach ethischen Maßstäben als Werkzeuge gebraucht werden, so dass sie angemessene Bedingungen für die Entwicklung des Menschen und der Völker schaffen.“
(Enzyklika Caritas in Veritate, Juli 2009)

Für eine andere Kultur der Wirtschaft und Politik

Gegen kurzatmiges Quartalsdenken setzen wir langfristiges, nachhaltiges und mitbestimmtes Wirtschaften. Gegen Arbeit als billige Manövriermasse setzen wir auf Verlässlichkeit für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Gegen die Konkurrenz um Billiglöhne zugunsten der Anteilseigner setzen wir auf Qualitätswettbewerb im Interesse aller. Wer Arbeitsplätze vernichtet, darf nicht belohnt werden. Wer von Arbeitslosigkeit betroffen oder bedroht ist, braucht solidarische Unterstützung: Kurzarbeit statt Entlassung, Qualifizierung und Neuorientierung statt Perspektivlosigkeit. Öffentlich geförderte Arbeit zu fairen Bedingungen ist wichtig, reguläre, steuerfinanzierte Arbeitsplätze in der öffentlichen Daseinsvorsorge noch wichtiger. Arbeit für alle, von der Menschen auch leben können, muss das Ziel bleiben. Steuergeschenke an Wohlhabende schaffen keine Arbeitsplätze, machen aber den Staat handlungsunfähig. Steuern sind keine Geschenke an den Staat, sondern Solidarbeiträge für gute Infrastruktur und sozialen Ausgleich. Die Verursacher und Vermögenden müssen ihren Teil der Krisenkosten übernehmen. Die Politik muss die Illusion privatisierter Daseinsvorsorge aufgeben. Die solidarischen Systeme der sozialen Sicherung müssen gestärkt werden. Bildungschancen in Deutschland dürfen nicht länger vom Einkommen und der Bildung der Eltern abhängen. Wir brauchen eine Klimapolitik, die beides im Auge hat: das Überleben von Menschen und die Ökosysteme weltweit, ebenso wie Beschäftigung und Innovation hierzulande.

Foto: Jan Körper

Erste Schritte

Wir fordern: Kirchen und Gewerkschaften müssen jetzt gemeinsam und mit allen Kräften für konkrete Schritte eintreten, die aus der Krise führen und Zukunft eröffnen.

 

Wir halten mindestens die folgenden sieben Punkte für zwingend geboten:

  • Eine Transaktionssteuer muss spekulative Finanzgeschäfte bremsen und klare Regeln für Banken müssen die nächste Krise verhindern.

  • Diejenigen, die an den Finanzblasen verdient haben, müssen auch die Kosten tragen.

  • Ein gesetzlicher Mindestlohn muss dafür sorgen, dass Frauen und Männer von einem Vollzeitarbeitsplatz würdig leben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.

  • In die solidarischen Versicherungssysteme müssen alle Bürgerinnen und Bürger entsprechend ihrem gesamten Einkommen einzahlen.

  • Bildung muss von der Kinderkrippe bis zur Hochschule kostenfrei sein.

  • Landkreise, Städte und Gemeinden müssen die Mittel für eine starke wirtschaftliche und kulturelle Infrastruktur bekommen.

  • Die Grundsicherung muss erhöht werden, und sie muss die Würde der Betroffenen wahren.

 

Wir laden alle, die Kirchen, Gewerkschaften und deren Grundwertenverbunden sind, ein, sich diesem Aufruf durch ihre Unterschrift anzuschließen.

Unser Selbstverständnis

Foto: Norbert Feulner

Die KGI ist sich einig, dass

  • wir eine Bewegung von Personen, nicht Organisationen bleiben wollen;
  • wir einen aktiven Austausch des Gedankenguts und der Werte von Kirchen und Gewerkschaften fördern wollen;
  • wir den gemeinsamen Wertevorrat herausarbeiten wollen, auch mit Einzelthemen;
  • wir eine Zukunftsperspektive entwickeln und nicht nur Regierungspolitik kritisieren wollen.

Nürnberg, im April 2010
Kirchlich-Gewerkschaftliche Initiative Bayern

 

Verfasser/innen

Matthias Jena (Vors. DGB Bayern), Stephan Doll (Vors. DGB Mittelfranken), Dr. Hans-Gerhard Koch (Pfr. i. R.), Thomas Engelhard (ehem. Geschäftsführer ver.di Mfr., Kirchenvorsteher, Mitgl. Dekanatsausschuss), Stefan Kern (Mitgl. d. Landessynode d. ELKB), Friedemann Preu (Pfr., stellv. Leiter kda Bayern), Dr. Siegfried Ecker (Vors. KAB-Bildungswerk Bamberg),  Otto Semmler (ehem. Vizepräsident Bundesanstalt f. Arbeit), Dr. Manfred Böhm (Leiter Arbeitnehmerpastoral, Bamberg), Oswald Greim (Diözesansekretär Betriebsseelsorge Bamberg), Norbert Feulner (Sozialsekretär, kda Bayern), Hans-Jörg Schmid (Pfr. i.R., Ökumenisches Netz Bayern, Neustadt/Aisch), Jürgen Endres (Gewerkschaftssekretär, ver.di Mfr.), Irene Gölz (Gewerkschaftssekretärin, ver.di Bayern), Dr. Rüdiger Kretschmann (Pfr. i.R.), Wolfgang Butz (Ev. Dekan, Nürnberg), Kurt Reinelt (Diakon, Betriebsseelsorger, Nürnberg), Martin Feder (DGB Mfr.)

 

Hinweis

Die Kirchlich-Gewerkschaftliche Initiative ist eine Initiative von Personen, nicht von Institutionen. Sie finanziert sich durch Spenden engagierter Menschen.

 

Bankverbindung

Kontonummer: 1 05 10 52 93 (Hans-Gerhard Koch / KGI)
Bankleitzahl: 52 06 04 10 (Evang. Kreditgenossenschaft, EKK)